gefördert vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Förderkennzeichen 16SV9113
Laufzeit: 01.03.2023 – 31.05.2025
Partner
Scholz & Volkmer
Projektkoordination
Entwicklung Hard- und Software
BTU Cottbus-Senftenberg
Methodische Grundlagen
Wissenschaftliche Begleitung
Fraunhofer IZM
Umweltbewertungsrahmen
Nachhaltiges Hardware-Design
Veranstaltungen und Ausstellungen:
Forum Making Sense of Citizen Sensing (Mai 2025)
SEE-Conference 2025
Ausstellung UNESCO City of Design im Radialsystem (Juni 2026)
SensEm - Citizen Science Toolkit
Kiezblocks: viel Streit, wenig Daten – ein Forschungsprojekt schafft Fakten statt Meinungen
Verkehrsberuhigung, Tempolimits, Kiezblocks: Verschärfte Grenzwerte und Gerichtsurteile setzen Städte unter Druck, gegen Lärm und schlechte Luft vorzugehen – und spalten die Gemüter: Die einen versprechen sich mehr Sicherheit, weniger Lärm und bessere Luft, die anderen warnen vor Verkehrschaos. Was fehlt, sind belastbare Daten. Bringen diese Maßnahmen wirklich bessere Luft – und wie lässt sich das messen?
Diese Fragen können die amtlichen Messstationen nicht beantworten – und sollen es auch nicht: Sie liefern präzise, großräumige Referenzwerte, nicht die punktuelle Belastung im Alltag. Genau das leistet Citizen Science: Anwohnerinnen und Anwohner messen mit günstigen Sensoren selbst, dort wo ihre Fragen entstehen – am Schulweg, am Spielplatz, vor der eigenen Tür. Messwerte allein liefern aber noch keine Antworten. Die entstehen erst, wenn die Beteiligten an allen Schritten mitwirken: eigene Fragen stellen, Hypothesen prüfen, messen, die Ergebnisse einordnen – dann werden aus Daten Argumente, mit denen eine Initiative ihr Anliegen belegen kann, statt es nur zu behaupten.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die häufigste Todesursache weltweit, und Umweltstressoren wirken dabei als stille Beschleuniger.
Prof. Thomas Münzel (Kardiologe, Mainz)
Das Toolkit
Mit SensEm haben wir einen Werkzeugkasten entwickelt, der die Beteiligten durch den gesamten Forschungsprozess führt – von der Hypothese über das Experimentdesign bis zu Auswertung und Einordnung. Er vermittelt das nötige Wissen, stellt bei jedem Schritt die passenden Werkzeuge bereit und sorgt dafür, dass die Ergebnisse wissenschaftlichen Prinzipien genügen – und damit belastbar bleiben.
Am Anfang und am Ende jeder Kampagne steht ein Workshop: Hier bringen die Beteiligten ihre Ortskenntnis ein, entwickeln daraus ihre Fragen und deuten später gemeinsam die Ergebnisse.
Um diese Fragen zu beantworten, braucht es Messwerte. Dafür entwickelten wir kostengünstige, autarke Sensor-Module für Feinstaub, NO₂ und Lärm, mit Akkubetrieb und LoRaWan-Datenübertragung. Und eine Kalibrierstation für den Abgleich mit offiziellen Referenzstationen.
Eine Online-Plattform organisiert die Messkampagnen – von den Teilnehmenden über die Messorte bis zu den Daten. Mobile Assistenten unterstützen die Feldarbeit wie Sensorinstallation oder Beobachtungen, ein KI-Assistent führt durch die Methodik, von der Hypothese bis zum Experimentdesign. Sind die Daten erfasst, helfen eigene Analyse- und Visualisierungstools, sie zu verstehen und zu deuten.
Räumlich-zeitliche Darstellung über dem Stadtmodell: Über jedem Sensorstandort zeigen Säulen die Messwerte im Verlauf.
Zeitreihen zeigen Muster im Tages- und Wochenrhythmus – etwa, wie Lärm dem Verkehr folgt.
Räumlich-zeitliche Darstellung über dem Stadtmodell: Über jedem Sensorstandort zeigen Säulen die Messwerte im Verlauf.
Erprobt in drei Quartieren
Das Toolkit wurde in drei Fallstudien mit lokalen Bürgerinitiativen entwickelt, erprobt und verfeinert. Den Auftakt machte 2023 ein Superblock-Wochenende im Wiesbadener Rheingauviertel – als sich die Gelegenheit bot, eine echte Verkehrsintervention zu begleiten. 2024 und 2025 folgten zwei Messkampagnen im Berliner Samariterkiez. Die Untersuchung einer monatelangen Sperrung der Proskauer Straße, wurde mit 222 Messtagen zur Langzeitstudie – mit über 30 Sensoren und rund 1,5 Millionen Einzelmessungen.
Nach dreijähriger Laufzeit ist das Projekt abgeschlossen; Toolkit und Ergebnisse sind auf der SensEm-Website dokumentiert. Zuletzt war SensEm im Juni 2026 im Berliner Radialsystem im Rahmen von Berlins 20-jährigem Jubiläum als UNESCO City of Design ausgestellt.
Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)